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Wiederladen
im Schützenverein Eisenach 1990 e. V.

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Gebrauchte Hülsen Cal. 44/40 WCF


Das Wiederladen, also das Laden abgeschossener Patronen ist ein faszinierendes Hobby, dem einige unserer Mitglieder nachgehen. Sie haben die Erfahrung gemacht, daß das Wiederladen nicht nur Geld sparen hilft, sondern auch die Präzision der Munition erhöhen kann. Natürlich herrscht auf dem Schießstand immer wieder ein reger Austausch über verwendete Komponenten und Methoden.

Wie in vielen Lehrbüchern über das Wiederladen zu lesen ist, stellt die Hülse die teuerste Komponente der Munition dar. Die Produktion von Patronenhülsen ist äußerst aufwendig. Gleichzeitig ist die Hülse aber auch der einzige Bestandteil, der wiederverwendet werden kann. Der Anteil des Preises einer Hülse an der gesamten Patrone macht je nach Munitionssorte 50 Prozent oder mehr aus. Was liegt also näher, als die Hülse wiederzuverwenden ?!

Wer sich dazu entschließt, mit dem Wiederladen anzufangen, wird deshalb schon nach recht kurzer Zeit die Kosten, die er für seine Wiederladeeinrichtung ausgegeben hat, eingespart haben.

Komplette Ausrüstungen, die für das regelmäßige Wiederladen von Patronenhülsen vollkommen ausreichend sind, gibt es bereits für Preise ab ca.DM 400,-. Pulver, welches zum Laden von einigen 1000 Schuß ausreicht, kostet ca. DM 80. Zündhütchen sind, obwohl sie technisch recht komplizierte und ausgereifte Produkte sind, sogenannte Pfennigartikel. Die Preise für Geschosse unterscheiden sich, wobei es darauf ankommt, ob man einfache Bleigeschosse nimmt, oder Mantelgeschosse. Für eine Packung Patronen im Kaliber 38 Sp., die, je nach Ausführung zwischen 20 und 50 DM kosten kann, wird man als Wiederlader nicht mehr, als DM 8 bis 15 ausgeben. Die Einsparung kann also ganz erheblich sein. Wenn man annehmen würde, daß man pro Packung DM 10 einspart, würde man nach dem Wiederladen von ca. 50 bis 100 Packungen bereits in den Betrag eingespart haben, die in der die Wiederladeeinrichtung kosten kann. Ein Schütze, der viel trainiert, hat dieses Ziel recht schnell erreicht.

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Boxer-Zündhütchen (stark vergrößert)

Es gibt aber noch weitere Gründe, die für das Wiederladen sprechen:

Die Auswahl bestimmter Munitionssorten ist recht begrenzt. Die häufig verwendeten Patronen, wie z. B. 9 mm Parabellum und 38 Sp. sind in einer recht großen Auswahl vorhanden. Anders sieht es schon mit den weniger häufigen Sorten aus. Bei der Patrone 44 Magnum herrscht schon eine geringere Auswahl. Ganz schwach sieht es bei den " Exoten " aus. Wir beispielsweise die Patrone 44 Sp. benutzen will, kann, wenn er Patronen kauft, auf eine nur sehr begrenzte Auswahl zurückgreifen und muß Preise zahlen, die schon beinahe unerträglich hoch sind. Gleiches gilt für die alte "Wildwest-Patrone" .44-40 WCF.

Geschosse, Zündhütchen und Pulver, die Komponenten der Patrone neben der Patronenhülse sind dagegen in einer sehr großen Auswahl erhältlich.

Dem Wiederlader ist es daher möglich, hieraus Kombinationen zusammenzustellen, die auf dem Markt der Fabrikprodukte überhaupt nicht zu erhalten sind. So ist es zum Beispiel möglich, sich Scheibenpatronen herzustellen, die hinsichtlich ihrer Stärke und Präzision so wie die industriell hergestellten Scheibenpatronen ausgelegt sind, hinsichtlich der Geschosse und der Pulversorten aber stärker an die Laufabmessungen und Eigenschaften der vom Wiederlader verwendeten Waffen angepaßt sind. Ein gutes Beispiel dafür, wie man mit einfachen Mitteln mehr Präzision erreichen kann, ist die Verwendung eines Revolvers im Kaliber 357 Magnum Diese schweren Revolver werden besonders gerne zum Scheibenschießen verwendet, wobei Scheibenpatronen der Sorte 38 Sp. "Wadcutter"verwendet werden. Die Patrone, für die der Revolver ausgelegt ist, (.357 mag.) ist aber etwas länger, als die erwähnten Scheibenpatronen. Dies hat zur Folge, daß das Geschoß einen gewissen Weg in der Trommel im freien Flug zurückgelegt, so daß die Präzision ein wenig leidet. Nimmt man Patronenhülsen, die die richtige Länge haben, also Hülsen der Sorte 357 Magnum, um Patronen herzustellen, wie ansonsten den erwähnten Scheibenpatronen gleichen, wird meist ein spürbarer Gewinn an Präzision die Folge sein.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Geschosse zu verwenden, die in industriell hergestellten Munition überhaupt nicht anzutreffen sind. Beispielsweise gibt es seit einiger Zeit Geschosse, die keine Mantelgeschosse, sondern nur mit einer dünnen Schicht Kupfer überzogen sind. Diese Geschosse verbinden die Vorteile von Mantelgeschossen (kein Blei-Abrieb) mit denjenigen von Bleigeschossen (Gute Anpassung an den Lauf).

Um ähnliches zu erreichen, werden auch Geschosse angeboten, die mit Teflon überzogen sind. Schließlich werden Bleigeschosse hergestellt, die eine Beschichtung mit Molybdän-Disulfid aufweisen.

Schließlich herrscht auf dem Markt der Pulversorten ebenfalls eine große Vielfalt. Bei industriell hergestellter Munition weiß der Benutzer überhaupt nicht, welche Pulversorten verwendet werden. Der Munitionshersteller muß beim Produktionsprozeß darauf achten, daß seine Munition aus sämtlichen denkbaren Waffen gut schießt. Natürlich ist dies beinahe unmöglich. Der Munitionshersteller wird also einen Kompromiß suchen, um allen denkbaren und möglichen Anforderungen gleichmäßig gerecht zu werden. Dem Wiederlader steht nur die Möglichkeit offen, es sich in diejenigen Pulversorten auszusuchen, die für die von ihm verwendete Sportwaffe am besten geeignet sind.

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Verkupferte Geschosse

Beim Herstellungsprozeß selbst bestehen für den Wiederlader ebenfalls viele Variationsmöglichkeiten. So kann der Wiederlader darüber entscheiden, wie tief er das Geschoß setzen und crimpen will (den Rande der Patronenhülsen einziehen) möchte, welche Zünder er verwenden will. In einem gewissen Rahmen können auch die Ladungen variiert werden (dazu unten noch eine Bemerkung mehr).

Die Variationsmöglichkeiten beim Wiederladen sind also so vielfältig, daß eine einigermaßen vollständige Darstellung den Rahmen sprengen würde, der uns hier gegeben ist. Über das Wiederladen gibt es eine große Menge an Literatur. Diese ist zwar bedauerlicherweise häufig in englischer Sprache. Jedoch gibt es auch für den deutschen Markt einige sehr gute Fachbücher.

Eines muß aber klar sein: der Wiederlader kann nicht grenzenlos Pulversorten, Geschosse und Pulverladungen variieren. Vielmehr muß er sich über die Grenzen dessen, was gefahrlos möglich ist, bewußt sein. Werden die Ladedaten des Pulverherstellers nicht beachtet, können Waffensprengungen sowie Gefahr für Leib und Leben des Schützen und in seiner Nähe befindlichen Personen auftreten. Wenn das Wiederladen gefahrlos ausgeübt werden soll, muß der Wiederlader also über den Umgang mit Treibladungspulver genau Bescheid wissen. In Deutschland setzen Erwerb, Besitz und Umgang von und mit Treibladungspulverb voraus, daß eine entsprechende behördliche Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz (§ 27), der sogenannte "Pulverschein" vorliegt. Der Erwerb einer solchen Erlaubnis setzt neben einigem anderen voraus, daß ein Lehrgang zur Erlangung der erforderlichen Fachkunde absolviert wird. Solche Lehrgänge werden in unseren Vereinsräumen durchgeführt. Jeder, der Interesse hat, sollte daher regelmäßig hier auf unseren Seiten hereinschauen oder Kontakt mit uns aufnehmen, um zu erfahren, wann die nächsten Termine für einen "Pulverlehrgang" sind.

 

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handelsüblicher Matritzensatz für das Wiederladen
Links: Rekalibriermatritze mit Stift zum Ausstoßen des Zündhütchens, Mitte: Aufweit (Innenkalibriermatritze), Rechts: Geschoßsetz- und Crimpmatritze (Fabrikate RCBS, LEE)

 

Eine abgeschossene Patronenhülse bedarf einiger Behandlung, um wieder als "Behälter" für eine schußfähige Patrone zu dienen. Zunächst muß die Hülse rekalibriert, also auf ihr ursprüngliches Maß gebracht werden, da sie sich beim Schuß bleibend verformt und weitet. Gleichzeitig wird das abgeschossene Zündhütchen entfernt. Anschließend muß die Hülse im Geschoßbereich aufgeweitet (innen-kalibriert) werden und ein neues Zündhütchen wird gesetzt.
Schließlich wird eine neue Treibladung in die Hülse gefüllt und das Geschoß "gesetzt", also in den Halsbereich eingeschoben. Dabei kann die Hülse am Rand "gecrimpt" werden. Damit ist ein leichtes Einbördeln des Hülsenrandes für verstärkten Halt des Geschosses gemeint. Die meisten dieser Arbeitsgänge werden dadurch bewerkstelligt, daß die Hülse, bzw. die Patrone in zylindrische Stahlmatritzen hineingeschoben wird, die die erforderlichen Innenmaße aufweisen.
Freilich sind beim Kalibrieren, Aufweiten, Geschoßsetzen und Crimpen Kräfte erforderlich, die "von Hand" nicht zu überwinden sind. Daher bedient man sich bei den Arbeiten einer Presse, in welche die Matritzen hineingeschraubt werden. Gebräuchlich sind von Hand mit einem Hebel bediente "Kniehebelpressen", mit denen ohne weiteres Drücke von einigen hundert Kilogramm erzeugt werden können.
Rechts ist eine solche Presse zu sehen: Sie besteht aus einem massiven Stahlrahmen in der Form eines "O". Oben ist die Matritze zum Rekalibrieren und Zündhütchenausstoß eingeschraubt und mit einer Mutter festgekontert. Unten (in etwa mittiger Hubstellung) ist der Stempel der Presse zu sehen, auf dem eine Patronenhülse dem Rekalibriervorgang entgegengehoben wird. Der in der Kalibriermatritze befestigte Stift zum Ausstoßen des Zündhütchens ist am Hülsenrand zu erkennen. Das im gelben Ring umfaßte Detail ist weiter rechts vergrößert dargestellt. mitte.jpg (28621 Byte)
O-Rahmen-Presse: Mittlere Stellung
Pressen zum Wiederladen werden von allen möglichen Herstellern (fast ausschließlich aus den USA)  angeboten, auch weisen sie recht verschiedene Formen auf. Die Form der "O"-Rahmen-Presse dürfte aber am stärksten verbreitet sein. Eine Presse der rechts abgebildeten Art ist in der Lage die stärksten Büchsenpatronen nicht nur zu rekalibrieren, sondern unter Verwendung geeigneter Umformmatritzen sogar vollständig in andere Hülsenformen umzupressen !

Der Widerladevorgang gestaltet sich grob dargestellt wie folgt: Man nehme abgeschossene Hülsen und rekalibriere sie. Anschließend tausche man die Rekalibriermatritze gegen die Innenkalibriermatritze aus und weite den Hülsenhals auf das richtige Maß, gleichzeitig (je nach Presse), vorher oder nachher setze man die neuen Zündhütchen. Schließlich muß die Innenkalibriermatritze gegen die Geschoßsetz-Matritze ausgewechselt werden. Dann fülle man das Pulver in die Hülsen ein (richtige Menge und Sorte, versteht sich) und schließe den Vorgang durch Einpressen des Geschosses und gegebenenfalls "crimpen" ab.

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O-Rahmen-Presse: Hülse in die Matritze geschoben

 

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Progressive Presse (Lee Pro1000)

Man kann sehen, daß dies bei 50 Patronen leicht eine Stunde dauern kann. Natürlich haben die Industrie und rastlose Bastler und Tüftler nicht eher Ruhe gegeben, bis die automatische "progressive" Presse da war: Bei progressiven Pressen fällt mit jeder Hebelbewegung eine fertige Patrone heraus, weil mit jedem Hub je eine Hülse rekalibriert und entzündert, aufgeweitet, mit neuem Zündhütchen versehen und Pulver befüllt sowie Geschoß bedacht und gecrimpt wird. Es ist klar, daß in solchen Pressen mehrer Matritzen gleichzeitig eingeschraubt sein müssen, daß die Zufuhr von Zündhüthcen, Pulver und Hülsen möglichst automatisch ablaufen sollen.

Links ist eine "progressive Presse" zu sehen. Sie kann die Ladezeiten drastisch verkürzen. 150 bis 200 Patronen und mehr pro Stunde sind kein Problem. Man sollte aber mit dem Wiederladen schon Erfahrung haben und ein wenig technisches Verständnis mitbringen, wenn man mit einer progressiven Presse laden will


Das Füllen des Pulvers ist ein Kapitel für sich. Es ist leicht zu verstehen, daß hier keine Fehler passieren dürfen. Es muß ein für das Kaliber und das gewählte Geschoßgewicht geeignetes Pulver verwendet werden. Außerdem müssen geeignete Ladungen verwendet werden, also nicht zuviel und nicht zu wenig Pulver ! Das "Zuviel", insbesondere eine versehentliche doppelte Ladung, haben schon manchem eine unangenehme Überraschung bereitet. Besonders wenn schnell abbrennende Pulversorten (offensive Pulver) verwendet werden (für Kurzwaffenpatronen kleiner bis mittlerer Kaliber sowie Schrot), können Überladungen sehr schnell zu so starkem Gasdruck führen, daß die betroffene Waffe regelrecht "gesprengt" wird. Neben der Beachtung der Ladeangaben des Pulverherstellers ist peinliche Sorgfalt und genaues Wiegen angesagt. Natürlich muß nicht jede Pulverladung für jede einzelne Patrone gewogen werden. Vielmehr bedient man sich Dosiermethoden nach dem Volumen. Die Dosiergeräte haben meist einen oben angeordneten, transparenten Pulver-Voratsbehäter. Das Pulver fällt am unteren Ende des Behälters in eine Kaverne, die durch Betätigen eines außen angebrachten Hebels so geschwenkt werden kann, daß das in der Kaverne befindliche Pulver durch ein Röhr hen ausgeworfen wird. (Eine Hebelbewegung = eine Ladung). Die Kavernen sind im Volumen von außen verstellbar, so daß das Dosiergerät für verschiedene Ladungen verwendet werden kann.

Zum Einstellen und nachjustieren der Pulverdosiergeräte ist aber eine Waage unabdingbar. Hierfür werden meist kleine, aber äußerst genaue Balkenwaagen verwendet. Auch in Europa hat sich unter den Wiederladern die amerikanische Gewichtseinheit "grain" durchgesetzt. 1 grain = 0,0648 gramm      -    1 gramm = 15,648 grain. Beim "grain" handelt es sich angeblich um ein altes englisches Apothekergewicht.

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Pulverwaage (einfache, aber sehr genaue Balkenwaage)

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Pulverdosiergeräte zweier verschiedener Fabrikate (links Lyman, rechts

Was der Wiederlader zudem an Voraussetzungen mitbringen muß: Geduld, ein wenig Zeit (vielleicht mal einige Stunden weniger Fernsehen ?) und Platz. Ein kleiner Raum tut es aber auch schon:

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Wiederladewerkstatt mit O-Rahmen-Presse u. progressiver Presse

 

Hülsen, Treibladungsmittel, Zündhütchen, Geschosse, Werkzeug und was dann ?

Das Ergebnis der Bemühungen des Wiederladers können hochpräzise Patronen sein; nebenbei kann man Geld sparen und einem interessanten Zeitvertreib frönen. Mehr Argumente für das Wiederladen sind kaum vorstellbar. 

Das Wiederladen ist also ein "Begleitsport" neben dem Sportschießen, der seinen ganz eigenen Reiz und zudem viel Nutzen für den Sportschützen bringt. In diesem Sinne "Gut Schuß" !

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Wiedergeladene Patronen .44 rem. mag.
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