
zurück |
Die
Entwicklung
der Vorderlader
Nachstehend wird ist ein technischer und historischer Überblick über
die Entwicklung der Vorderlader und damit der Entwicklung der Feuerwaffen zu sehen. |
|
Inhalt:
Ab 1300: handpuchsen und
ähnlich werck des teufels
Ab 1500:
Eure Lunte anblaset und haltet sie recht - das Luntenschloß
Ab 1517: Das Radschloß
Ab 1619: Das Steinschloß
Ab 1820: Die Perkussionszündung
Ab 1830: Don't mess with my pepperbox
Ab 1837: Dr. Coult's Wundermittel
Ab
1300: handpuchsen und ähnlich werck des teufels
Anfangs waren Schußwaffen Läufe mit einem einfachen Stiel
als Griff, die in der Nähe des geschlossenen Lauf-Endes ein Zündloch hatten, die aber
über keine mechanische Zündvorrichtung verfügten. Sie werden in alten Überlieferungen
auch als "Handgonne" (erstaunlich ähnlich dem Wort "handgun")
bezeichnet. Der mit Schwarzpulver und Blei- oder Steingeschoß geladene Lauf wurde durch
das Anbrennen der Ladung mit einem glühenden Draht oder einer Lunte abgefeuert. Dazu
mußte man mit einer Hand die Waffe halten und mit der anderen Draht oder Lunte an das
Zündloch führen. |
 |
| Von diesen einfachen
Büchsen sind recht viele gefunden worden oder erhalten geblieben. Manche verfügten über
einen an der Unterseite vorne angebrachten Haken, der auf der Außenseite einer Mauer
eingelegt wurde, um den Rückstoß abzufangen. Alte Luntenbüchsen mit einem solchen Haken
werden folgerichtig als "Hakenbüchse" bezeichnet. Man kann sich leicht
vorstellen, daß das Halten mit der einen Hand und das Zünden mit der anderen soviel
Konzentration erforderte, daß dem Zielen nicht mehr viel Aufmerksamkeit zugewendet werden
konnte. |
 |
Ab 1500: Eure Lunte anblaset und haltet sie recht - das Luntenschloß
Die Entwicklung führte dann zur ersten mechanischen
Zündvorrichtung, die aus einem Luntenhalter bestand, der über einen Abzugsbügel auf das
Zündloch gesenkt werden konnte. Der Abzug war der Form nach noch dem Abzugsbügel der
ebenfalls noch gebräuchlichen Armbrust nachgebildet. Wenn die Lunte ordentlich angeblasen
war, konnte der Schütze sich immerhin schon ein wenig auf das Ziel konzentrieren. |
|
Ab 1517: Das Radschloß
Die nächste Entwicklungsstufe ist das Radschloß. Seitlich
vom Lauf befindet sich dabei ein Rad, das mit einem Vierkantschlüssel vor dem Schuß
aufgezogen wurde. Beim Betätigen des Abzugs wird eine Sperre gelöst und das Rad dreht
sich unter Federspannung in die entgegengesetzte Richtung. Hierbei reibt die Kante des
Rades an einem Feuerstein (Schwefelkies), wodurch ein Funkenstrahl erzeugt wird. Der
Funkenstrahl entzündet über eine Zündpfanne die Pulverladung. Der Nachteil dieser
Methode bestand darin, daß zur Herstellung der Feuerbereitschaft der geladenen Waffe erst
das Rad aufgezogen werden mußte. Ein weiterer Nachteil war die lange
Schußentwicklungszeit, also die Zeit, die zwischen dem Betätigen des Abzugs und dem
Zünden der Ladung vergeht. |
 Radschloß (zeitgenössische Abbildung) |
 |
Ab 1610: Das Steinschloß
Die technische Entwicklung blieb deshalb nicht stehen sondern setzte sich mit der
Erfindung des Schnapphahn- und des Batterieschlosses fort. Die Feuerbereitschaft kann mit
einem Handgriff durch Zurückziehen des Hahnes in die Feuerrast hergestellt werden. Im
Hahn ist schraubstockähnlich ein Stück Feuerstein eingespannt. Der federgetriebene Hahn
schlägt beim Betätigen des Abzugs gegen den Deckelfortsatz der Zündpfanne, die Batterie,
erzeugt dabei einen Funkenstrahl und öffnet gleichzeitig die Zündpfanne. Der Funke
zündet das auf der Pfanne befindliche Zündpulver, welches über eine dort vorhandene,
feine Bohrung im Lauf, das Zündloch die Ladung zum Abschuß bringt. Sowohl
Schußentwicklungszeit als auch Handhabung waren mit dieser Technik gegenüber dem
Radschloß verbessert. Dennoch war das Zündsystem noch sehr wetterabhängig, so daß Wind
und Regen oft eine Schußabgabe verhinderten. |
|
Ab 1820:
Perkussionszündung
Eine weitere Verbesserung trat durch die Erfindung des Zündhütchens im Jahre 1807 ein.
Das Zündhütchen, ein Näpfchen aus Kupfer oder Messing mit einer sehr kleinen Menge
eines Zündmittels (Anfangs war es Knallquecksilber) versehen, sitzt auf einem kleinen
Kolben ("Piston" genannt), der eine Bohrung für den Zündstrahl hat. Durch das
Aufschlagen des Hahns explodiert das Zündmittel und ein Zündstrahl mit einem Druck von
circa 100 bar dringt durch den Zündkanal des Pistons zur Pulverladung durch und
entzündet diese. Die Zündhütchenzündung wird allgemein Perkussionszündung (von
percussio = Schlag) genannt.
Rechts ist das Perkussionsschloß einer Pistole (Napoleon
LePage) gezeigt, wobei von oben nach unten der Hahn in Spannrast, Laderast und Endlage auf
dem Zündhütchen zu sehen ist.
Nachdem sich diese Erfindung bis 1830 allmählich
durchgesetzt hatte (wobei viele Steinschloßgewehre von Büchsenmachern auf
Perkussionszündung umgebaut "adaptiert" oder "aptiert" wurden), war
eine kurze Schußentwicklungszeit, weitestgehende Unabhängigkeit von den
Witterungsbedingungen und einfache Handhabung erreicht. Zudem war die Quote der
Zündversager bei der Perkussionszündung mit etwa 0,5 % nun erheblich niedriger, als bei
allen vorher gebräuchlichen Zündsystemen. |
|
 |
|
|
|
Ab 1830: Don't mess
with my pepperbox
Die Perkussionszündung brachte die Pepperbox. Die Idee,
Mehrlader zu bauen, indem ein Laufbündel anstelle eines Laufes verwendet wurde, ist schon
alt. Solche Radschloß- oder Steinschloß-Wender waren aber aufgrund des Zündmechanismus
sehr aufwendig. Gleichzeitig waren sie teuer und in der Handhabung umständlich. Dies
wurde mit der Perkussionszündung anders, weil nur das vergleichsweise einfache, billige
und kleine Zündhütchen und ein Piston für die Zündung benötigt werden. Schon bald
nachdem sich die Perkussionszündung allgemein durchgesetzt hatte, gab es die kleine
Taschenpistole auch in der Variante eines Bündelrevolvers. Das Laufbündel mußte
freilich nach jedem Schuß von Hand gedreht werden. Wegen der Ähnlichkeit zum
Pfefferstreuer nannte man sie "Pepperbox". |
 |
|
Ab 1837: Dr. Coult's
Wundermittel
Angeblich als Schiffsjunge schon soll der damals 14-Jährige Samuel Colt während
einer Überfahrt nach England das Holzmodell eines Perkussionsrevolvers geschnitzt haben.
Die Idee, die sein Modell von der Pepperbox unterschied: Wenn man den Hahn spannt, wird
gleichzeitig die Trommel soweit gedreht, daß die nächste Kammer hinter den Lauf kommt.
Es heißt, andere hätten die Idee gleichzeitig oder vor ihm schon gehabt. Der junge
Samuel war aber immerhin so pfiffig, daß er sich die Idee patentieren ließ. Nachweislich
führte er auch mehrere Patentprozesse, um Patentverletzer zu bremsen. Colt hatte
zunächst kein Geld. Er soll als "Dr. Coult" ein paar Jahre durch den Westen
getingelt sein und Husten-Rheuma- Asthma- Krätze-Hautausschlag-Warzen-Allheilmittel
verkauft haben, um zu Kapital zu kommen. Ein von einem Büchsenmacher als Einzelfertigung
nach seinem Patent gebautes Stück schoß aber immerhin. Im Jahre 1837 kam der erste
"Colt" auf den Markt: Er wurde in gewissen Stückzahlen von den Texas Rangers
der damals noch unabhängigen Republik Texas gekauft.
|

Perkussionsrevolver "Colt Patterson" 1837
|
| (c)
R. Becker, Rechtsanwalt, Uferstraße 8,. 99817 Eisenach - Tel: 03691-216418 Fax:
03691-216419 |